Kärntner Seen - Bericht

Weißensee

Trophie: oligotroph
Ökologischer Zustand:
Fische2017Bewertung ausgesetzt
Makrophyten2003sehr gut
Phytoplankton (3-Jahresmittel)2018sehr gut

Im Untersuchungsjahr 2018 wurde der Weißensee an 6 Terminen beprobt. Mit äußerst geringen Nährstoff-Konzentrationen deutlich unter 10 µg/l sowohl im Epilimnion (0-6 m) als auch im Mixolimnion (0-80 m) entsprach der See der oligotrophen Nährstoffklasse.

Die Bewertung gemäß GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung) für das Qualitätselement Phytoplankton ergab sowohl für das Einzeljahr 2018 als auch im 3-Jahresmittel (2016-2018) den „sehr guten“ ökologischen Zustand. Hinsichtlich der allgemein physikalisch-chemischen Parameter befanden sich die Sichttiefe und die Gesamt- Phosphor-Konzentration im Mixolimnion (0-60 m) im „sehr guten“ Zustand. Die Ergebnisse für die hypolimnische Temperatur, Chlorid- und pH-Werte lagen innerhalb der Bandbreite für den „sehr guten“ und „guten“ Zustand.

Die höchste Lichtdurchlässigkeit des Seewassers wurde im April mit einer Sichttiefe von 11,4 m dokumentiert. Die Sauerstoffgrenze verlief im April 2018 in 35 m und sank im August auf 42 m Tiefe.

2018 wurden im Ostbecken insgesamt 7 Transekte hinsichtlich der Makrophytenbewuchses betaucht. Im den Flachwasserbereichen wurde eine Abnahme der Characeenbestände festgestellt. Zugenommen hat die Menge der Arten (Najas marina var. intermedia und Myriophyllum spicatum) und die Pflanzendichte im Vergleich zu Untersuchungen der Vorjahre (Pall 2003, KIS 2017). In den mittleren Tiefenbereichen war der Rückgang der Characeen geringer als in den Flachbereichen. In den Tiefenzonen (12 – 18 m) konnten gut entwickelte Characeenwiesen (Nitella syncarpa) dokumentiert werden.

Das flache Westbecken wurde 2018 6 Mal limnologisch untersucht. Die Gesamt-Phosphor-Konzentrationen pendelten zwischen 6 µg/l und 12 µg/l und lagen im Jahresmittel knapp unter 10 µg/l im oligotrophen Bereich. Die Makrophyten-Erhebungen (4 Transekte) ergaben einen weiteren Rückgang der Characeen im Flachbereich zugunsten von Najas marina var. intermedia. Myriophyllum verticillatum, das im Sommer 2016 massenhaft auftrat, war 2018 nur mehr in geringen Pflanzenmengen präsent.
2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 |
NameTiefenMittelMinMaxGrafik
Sichttiefe (m)68,94,911,4
Temperatur (°C)0 m615,46,123,5
pH-Wert1 m68,27,88,4
Leitfähigkeit (µS/cm)1 m6307294318
Phytoplankton (mm³/l) gew.0 - 30 m60,3950,2440,568
Gesamt-Phosphor (µg/l) 0 - 6 m6< 5< 56
Orthophosphat-Phosphor (µg/l) 0 - 6 m6< 2< 22
Nitrat-Stickstoff (µg/l)0 - 6 m652< 11101
Phytoplankton (mm³/l)0 - 6 m60,4720,2680,857
Chlorophyll a (µg/l)0 - 6 m60,80,51
Gesamt-Phosphor (µg/l) gew.0 - 80 m6869
Gesamt-Phosphor (µg/l) 50 m69811
Ammonium-Stickstoff (µg/l)50 m67534133
Sauerstoff (mg/l)50 m6< 0,2< 0,2< 0,2
2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 |
Weißensee

Allgemeine Informationen:

Der höchstgelegene Badesee im europäischen Alpenraum, der Weißensee, besitzt eine ausgezeichnete Badewasserqualität mit sommerlichen Temperaturen bis zu 26°C. In nahezu unberührter Natur liegen 2 Strandbäder, die zum Baden einladen.
Der geologische Hintergrund im Einzugsgebiet besteht aus Kalk-, Dolomit- und mergeligen Gesteinsserien der Trias.

Natürliche Ufer. In den östlichen Gailtaler Alpen gelegen, weist der Weißensee zwei Drittel natürliche Ufer auf. Der See erstreckt sich in einer vom Westen nach Osten offenen Talfurche, die von einem Seitenast des Draugletschers während der letzten Eiszeit (vor ca. 12.000 Jahren) geformt wurde. Süd- und Nordufer werden von zum Teil steil abfallenden, bewaldeten (Fichten- bzw. Nadel-Laub-Mischwald) Gebirgsketten begrenzt. Die steilen Hänge setzen sich in der Unterwasserhalde des Sees fort. Die höchsten Erhebungen der Gebirgsketten sind der Spitzegel mit 2.118 m und der Latschur mit 2.236 m.
Das schmale Ostufer verläuft flach. Der westlichste Abschnitt des Weißensees umfasst das Gatschacher Becken, das bis zur schmalsten Stelle des Sees bei Techendorf reicht, wo bereits im 11. Jahrhundert eine Brücke die Ortschaft Techendorf mit den südlich des Sees gelegenen Ortschaften verbindet. Das seichte Becken im Westen ist nur 5 m tief und hat eine Fläche von 77 ha. An das Gatschacher Becken schließt ein bis vor Neusach reichender Abschnitt an, der etwa 15 m tief ist. Von hier aus senkt sich der Boden allmählich bis auf ca. 50 m Tiefe ab und geht im östlichsten Abschnitt in ein durchschnittlich 90 m tiefes Becken über, das etwa in der Mitte eine Tiefe von 99 m erreicht.
Während die Ufer des großen tiefen Ostbeckens nur spärlich besiedelt sind, befinden sich am flachen Westende Ortschaften wie Oberdorf, Gatschach, Techendorf und Neusach.
Das Umland des Weißensees ist zum größten Teil bewaldet, intensive Landwirtschaft gibt es nicht. Der Fremdenverkehr beschränkt sich hauptsächlich auf das Westufer des Sees.

Unterwasserquellen im See. Gespeist wird der Weißensee nur von kleineren ständig wasserführenden Bächen mit geringer Wasserfracht und von Unterwasserquellen. Entwässert wird er über den Weißenbach im Osten bei Stockenboi (MQ 790 l/s), wo eine Wasserschleuse den Wasserspiegel regelt. Der Weißenbach fließt durch den Stockenboier Graben und mündet bei Ferndorf in die Drau. Er wird durch mehrere Kraftwerke energiewirtschaftlich genutzt.

Ausgezeichnete Badewasserqualität. Der Weißensee ist in limnologischer Hinsicht dem nährstoffarmen, oligotrophen Seentyp mit ausgezeichneter Badewasserqualität zuzuordnen. Die hohen sommerlichen Wassertemperaturen an der Oberfläche werden durch eine strenge Schichtung des Wasserkörpers ermöglicht. Trotz einer Seehöhe von 929 m ü. A. erwärmt sich das Epilimnion, die oberste Wasserschicht, bis zu 26 °C, wobei die Temperaturen des seichteren Gatschacher Beckens um zumeist 1 bis 2° C höher sind als die des Hauptbeckens. Unterhalb von ca. 6 Metern Tiefe wird es bereits kalt (rund 15 °C) und ab ca. 20 m Tiefe beträgt die Temperatur nur noch 4 °C.
Der Weißensee gehört zu den teildurchmischten Seen. Die Grenze zwischen dem Mixolimnion, dem zirkulierenden Wasserkörper und dem stagnierenden Tiefenwasserbereich, dem Monimolimnion, liegt unterhalb von 40 m Tiefe.

Sichttiefen bis 10 Meter. Entsprechend seines niedrigen Nährstoffgehaltes ist der See algenarm, was in seiner hohen Transparenz zum Ausdruck kommt. Sichttiefen bis 10 Meter sind keine Seltenheit, weshalb der See für Taucher sehr attraktiv ist. Als Namensgeber dient die auffällig weiße Färbung des Weißensees, die auf ausgedehnte Seekreidebänke zurückzuführen ist. Je nach Witterung ist eine tragende Eisdecke von Dezember bis Mitte März ausgebildet.

Erhaltung und Schutz des Naturraumes um den Weißensee stehen im Mittelpunkt aller touristischen Aktivitäten und tragen zum ausgezeichneten Erholungswert der Region bei. Mit Ausnahme der Siedlungsgebiete ist das gesamte Umland des Weißensees mit einer Fläche von 7.648 ha zum Landschaftsschutzgebiet Weißensee (LGBl. Nr. 48/1970) und in weiterer Folge zum „Naturpark Weißensee“ erklärt worden.

Morphometrische Daten

Weißensee - Geographische Daten
Geographische Länge13,37748293
Geographische Breite46,700958
Seehöhe [m ü. A.]929
Weißensee - Morphometrische Daten
Fläche [km²]6,531249
Max. Tiefe [m]99
Mittlere Tiefe [m]35,1
Volumen [m³]226.098.549
Theoretische Wassererneuerungszeit [Jahre]9,2
Abfluss MQ (1971 - 1990) [l/s]787
Einzugsgebiet [km²]49,63

Tiefenkarte

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Tourismus:

Die Naturparkregion Weißensee erhielt den EU-Preis für „Tourismus und Umwelt“ und trägt das Prädikat "heilklimatischer Kurort". Es gibt keine Straße entlang des Ufers, die rund um den See führt. Will man vom Ost- zum Westende des Sees, wählt man am besten das Schiff. Die Weißensee Schifffahrt besitzt 6 Schiffe und wird von Mitte Mai bis Oktober betrieben. Mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. der gewerblichen Schifffahrt, besteht ein generelles Fahrverbot für Motorboote. Im Winter finden hier alljährlich holländische Eisschnelllaufmeisterschaften statt.

Fischbestand:

Im Weißensee leben folgende 24 Fischarten:


Angelfischereiliche Nutzung. Die Fische im Weißensee werden ausschließlich angelfischereilich genutzt. Die Fischereiberechtigten sind in der Agrargemeinschaft Weißensee der 5 Dorfschaften zusammengefasst. Sie betreiben ein eigenes Bruthaus in Neusach. Der Weißensee zählt zu den am intensivsten angelfischereilich genutzten Gewässern Kärntens. Der Hauptanteil der Nächtigungen am See steht im direkten Bezug zur Angelfischerei, im Monat Mai sind bis zu 90% der Touristen Angelgäste. Dementsprechend hoch ist auch der durchschnittliche jährliche Fischertrag, er liegt bei 20 kg/ha. Die Angelsaison geht von Anfang Mai bis Mitte Oktober.

24 Fischarten tummeln sich heute im Weißensee. Die meisten kamen zum Großteil erst durch Besatz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den See. Vor allem der Hecht, der erstmals Ende der 1940er Jahre besetzt wurde, hat sich sehr stark im See vermehrt. Der Großteil des Fischertrages wird vom Hecht derzeit dezimiert.

Die bedeutendsten Arten im Weißensee sind die Reinanke (Maräne) und der Hecht. Karpfen, Schleien, Rotaugen, Aitel und Barsche sind häufig anzutreffende Arten.

Zum ursprünglichen Fischbestand des Weißensees zählten mit der Seeforelle als Hauptfisch 9 Arten. Im Jahr 1934 begann der Besatz mit Reinanken aus dem Millstätter See. Später wurden großwüchsige Formen (Maränen) in den Weißensee eingesetzt. Diese Fischart konnte sich im Weißensee relativ gut entwickeln, so dass der See heute über einen beachtlichen Bestand an Maränen verfügt. Fänge mit Stückgewichten über 3 kg sind keine Seltenheit.

Der Hauptfisch im Weißensee war früher die Seeforelle, von der 2 Formen bekannt waren: Einerseits der "Weißensee-Lachs", welcher Stückgewichte von 20 kg und mehr erreichte und andererseits der "Angler" mit Stückgewichten bis zu ½ kg. Die großwüchsige Seeforelle des Weißensees wird bereits in einer Urkunde aus 1485 erwähnt (SANTONINO, 1485 zitiert bei EGGER, 1947). Von HARTMANN (1883) werden auch verschiedene Varietäten der Seeforelle unter anderem die Goldforelle beschrieben. Seit Ende der 1970er Jahre kam es zu einem drastischen Rückgang des Seeforellenbestandes durch den Besatz mit nicht heimischen Fischarten und damit verbunden die Verschiebung des Fischartenspektrums. Die Absenkung des Seespiegels in den Wintermonaten zum Zwecke der Energiewirtschaft sowie die verstärkte Stellnetzfischerei an den Laichplätzen der Seeforelle (Austrittstellen von unterseeischen Quellen, auch als "Brünn" bezeichnet) haben den Fischbestand ebenfalls dezimiert (HONSIG-ERLENBURG et. al, 1997). Im Rahmen eines Projektes wurden wieder Einbürgerungsversuche der heimischen Seeforelle durchgeführt. Erste Erfolge waren im Sommer 1999 durch vermehrte Sichtungen und einen verstärkten Ausfang (126 Stk.) gegenüber den Vorjahren (ca. 15 Stk.) bemerkbar. Im Winter 2001 stiegen erstmals Seeforellen wieder zum Laichen in den Neissacher Mühlbach auf. Im Sommer 2002 konnte eine Seeforelle mit einem Gewicht von 11,5 kg gefangen werden.
Laut Berichten des Botanikers Wulfen vor etwa 200 Jahren ist ursprünglich auch der Seesaibling im Weißensee vorgekommen. Heute spielt diese Fischart jedoch nur mehr eine untergeordnete Rolle. Vermutlich ist dieser Fisch seit dem Besatz der Reinanken aufgrund des Konkurrenzverhaltens zurückgedrängt worden. Der Amurkarpfen wurde erstmals im Jahre 1968 eingesetzt (PAWLIK, 1990). Es werden ständig Amurkarpfen mit über 1 m Länge und bis zu 15 kg Gewicht gefangen. Gegenüber den 1980er Jahren hat der Amurbestand im Weißensee wieder abgenommen, was aus ökologischer Sicht positiv zu bewerten ist.
Der Gründling wurde am Weißensee früher "Bauer" oder "Lettenwühler" genannt (HARTMANN, 1898). Heute kommt diese Fischart - ebenso wie die Elritze oder Pfrille - nur mehr vereinzelt vor. Laut PAWLIK (1990) wurden im Jahre 1986 Giebel als Futterfische eingesetzt. Auch den Zander gibt es seit den 1940er Jahren.

Krebsvorkommen:

Einzigartiges Krebsvorkommen in Kärnten. Im Weißensee wurde erstmals das Vorkommen des nordamerikanischen Kamberkrebses (Orconectes limosus) in Kärnten nachgewiesen. Im See lebte bis zum Jahr 1980 ein ursprünglich dichter Bestand an großwüchsigen Edelkrebsen (Astacus astacus). Vermutlich führten wenige als Hechtköder eingebrachte und mit dem Krebspesterreger infizierte Kamberkrebse zur Vernichtung des Edelkrebsbestandes.
Die relativ hohen Wassertemperaturen und die zum Teil üppigen Armleuchteralgenbestände bieten den Kamberkrebsen ideale Lebensbedingungen. Dies führt dazu, dass der kleinwüchsige Kamberkrebs mittlerweile schon rund die Hälfte des Sees (westliche Hälfte) besiedelt.
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