Fische

Donaubachneunauge (Eudontomyzon vladykovi)

Bild: Donaubachneunauge (Eudontomyzon vladykovi)

Beschreibung

Neunaugen sind an dieser Stelle eigentlich fehl am Platz, da diese 500 Millionen Jahre alten lebenden Fossile zur Überklasse der Rundmäuler gehören, während Fische der Überklasse der Kiefermäuler zugeordnet werden. Das Verwandtschaftsverhältnis der Neunaugen zu den Fischen entspricht also in etwa jenem zu den Säugetieren.


Auffälligstes Merkmal ist der schlangenförmige Körper und das Fehlen von Ober und Unterkiefer. Bei erwachsenen Tieren ist das Maul zu einer Saugscheibe umgebildet. Sie besitzen keine paarigen Brustflossen sondern nur einen Flossensaum. Augen und Saugscheibe sind nur bei geschlechtsreifen Tieren. Bei den Larvenstadien den sogenannten Querdern, fehlen diese beiden typischen Merkmale. Die Tiere besitzen keine Schuppen und keine Schwimmblase. Die maximale Länge von adulten Donaubachneunaugen beträgt rd. 21 cm.


Der deutsche Name leitet sich aus der Summe einer Nasenöffnung, einem Auge und sieben Kiemenöffnungen an jeder Seite ab. ausgeprägt.


Lebensweise

Das Donaubachneunauge verbringt den größten Teil seines Lebens im Larvenstadium (Querder). Die Larven leben zum Großteil im Schlamm verborgen, sind blind, zahnlos und ernähren sich von Kieselalgen und Kleinstlebewesen, welche sie aus dem Wasser filtern. Das Larvenstadium kann bis zu 6 Jahre andauern, bis sich das Neunauge in ein erwachsenes geschlechtsreifes Individuum mit Augen und einem Rundmaul umwandelt. Diese Umwandlung kann bis zu einem Jahr andauern. Geschlechtsreife Tiere nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Die Fortpflanzung erfolgt zwischen April und Mai an seichten kiesigen Stellen bei einer Wassertemperatur zwischen 11 und 16 °C. Am Laichvorgang können bis zu 10 Individuen beteiligt sein, wobei sich mehrere Männchen am Kopfende des Weibchens festsaugen. Die Eier werden vom Weibchen dabei in eine zuvor angelegte Laichgrube abgegeben und von den Männchen besamt. Danach wird die Laichgrube wieder mit Sediment bedeckt. Einige Tage nach diesem energiezehrenden Laichvorgang sterben beide Geschlechter. Nachdem die Larven geschlüpft sind, halten sie sich bis zur erneuten Geschlechtsreife vorzugsweise in schlammigem und feinsandigem Substrat bis zu einer Tiefe von 0,5 m auf.

Lebensraum

Das Donaubachneunauge ist Begleitart der Unteren Forellenregion (Metarhithral), der Äschenregion (Hyporhithral), der Barbenregion (Epipotamal) und der Brachsenregion (Metapotamal). Es kommt heute in vielen Fließgewässern Kärntens vor. Größere Bestände gibt es in der mittleren Gail, der unteren Lavant und deren Zubringern, der oberen Glan und in den Stauräumen der Drau.

Gefährdung

Das durch zahlreiche Flussbegradigungen hervorgerufene Verschwinden von für den Lebenszyklus des Donaubachneunauges wichtigen feinkörnigen Substraten stellt eine äußerst bedrohliche flussbauliche Entwicklung für diese Art dar. Da das Donaubachneunauge für die fischereiliche Nutzung nicht mehr von Bedeutung ist, wird ein Verschwinden dieser Art oft nicht bemerkt bzw. werden nach einem offensichtlichen Verschwinden selten Wiederbesatzmaßnahmen durchgeführt. Auch die Gewässergüte spielt für den Fortbestand einer Neunaugenpopulation eine wichtige Rolle, da diese Art sich auf Gewässer mit einer Güteklasse von 1 und 2 beschränkt. Ist die organische Belastung zu hoch, finden im Schlamm Reduktionsvorgänge statt und die Querder können dieses Habitat aufgrund des akuten Sauerstoffmangels nicht mehr besiedeln.


Rote Liste Kärnten: Vorwarnstufe

Rote Liste Österreich: gefährdet

Art der FFH-Richtlinie Anhang II