Fische

Koppe (Cottus gobio)

Bild: Koppe (Cottus gobio)

Beschreibung

Die Koppe besitzt einen keulenförmigen, schuppenlosen Körper. Sehr auffällig ist ihr breiter, abgeflachter Kopf, der ein Drittel der Gesamtlänge einnimmt. Am Rücken befinden sich zwei getrennte Flossen, die Kiemendeckel sind mit je einem kräftigem, nach hinten gebogenem Dorn versehen, der als Schutz gegen Fressfeinde dient. Die Koppe verfügt über keine Schwimmblase. Durchschnittlich wird das Tier 10 bis 15 cm, in Ausnahmefällen bis 20 cm lang.


Neben zwei Gobiiden-Arten ist die Koppe Europas einziger bekannter Süßwasserfisch, der Laute hervorbringen kann. Dadurch interagiert die Koppe mit ihren Artgenossen. Durch das Einziehen des Kopfes und plötzliches Spannen des Trapezmuskels verzerrt sich die Kiemenkammer der Koppe und bringt so Laute hervor. Sie ist fähig, zwei verschiedene Laute zu formen. Koppen setzen diese Laute während der Reproduktionsperiode ein, nutzen sie aber auch im Rahmen ihres Drohverhaltens bei der Revierverteidigung.


Im Zuge des Projektes „KARAFISH“ in den Karawanken Kärntens und Sloweniens konnten durch Genanalysen zwei Arten festgestellt werden: Cottus metae in Slowenien und Cottus gobio in Österreich und in der Meža in Slowenien. Alle untersuchten Individuen von Cottus gobio gehören genetisch der adriatischen Linie dieser Art an, während die Koppen im Rest Österreichs die danubische Linie zugeordnet werden.


Lebensweise

Die Koppe ist ein typischer bodenorientierter, dämmerungs- und nachtaktiver Fisch mit sehr unterschiedlichen Lebensraumansprüchen in den einzelnen Entwicklungsstadien. Juvenile Koppen benötigen grobkörnige Schotterböden, welche bis zu einer Tiefe von 1,5 m bewohnt werden. Adulte Individuen sind auf Grobsteine entsprechend ihrer Größe angewiesen. Die Koppe hält sich tagsüber meist in Verstecken unter Steinen oder Wurzelwerk auf. In Ruhestellung ist die Koppe aufgrund ihrer guten Anpassung an den Gewässergrund nahezu unsichtbar. Da sie eine schlechte Schwimmerin ist, bewegt sie sich mit gespreizten Brustflossen ruckartig über den Boden. Die Koppe stellt hohe Ansprüche an die Wasserqualität, sie benötigt eine hohe Sauerstoffkonzentration bei eher niedrigen Wassertemperaturen.


Außerhalb der Laichzeit ist die Koppe eine Einzelgängerin, die ihr Versteck gegen kleinere Individuen verteidigt.


Koppen werden mit einem Alter von 2 Jahren geschlechtsreif und haben eine Lebenserwartung von bis zu 10 Jahren. Die Laichzeit der Koppe ist im Frühjahr zwischen Februar und Mai. Das Männchen baut eine Grube unter den Steinen in die das Weibchen seine Eier ablegen kann. Die Koppe legt ca. 200 bis 300 gelb bis orangefarbene Eier mit einem Durchmesser von 2 bis 2,5 mm. Das klumpenförmige Gelege wird vom Männchen bewacht und betreut. Nach vier bis fünf Wochen (bei durchschnittlich 275 Tagesgraden) schlüpfen die Jungfische und wandern in das Lückensystem der Bachbettsedimente hinein. Mit Hilfe ihres Ferntastsinns ist es ihnen möglich, auch dort gezielt Nahrung aufnehmen zu können. Als Nahrung nutzt die Koppe kleine Bodentiere wie Insektenlarven und Bachflohkrebse, teilweise auch Fischlaich und -brut. Die Koppe stellt einen wichtigen Futterfisch für andere Fischarten dar. Zu Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Koppe als Bratfisch sehr geschätzt, heute hat sie auch aufgrund ihrer Gefährdung, ihre angelfischereiliche Bedeutung verloren.


Lebensraum

Die Koppe kommt in der oberen und unteren Forellenregion (Epirhithral und Metarhithral), der Äschenregion (Hyporhithral) und in Seen vor. Sie lebt bevorzugt in sauerstoffreichen, gut strukturierten, kühlen Fließgewässern mit rascher Strömung und in der Uferzone klarer, hochgelegener Seen mit steinigem Grund. In Kärnten kommt sie nahezu im gesamten Landesgebiet vor. Besonders Dichte Bestände gibt es in der Gurk und der Gail. Der niedrigstgelegene Koppennachweis in Kärnten liegt auf 282 m.ü.A., die höchstgelegene auf 1104 m.ü.A..

Gefährdung

Dort wo Regulierungsmaßnahmen stattgefunden haben und wo Sohlräumungen aus wasserbaulicher Sicht immer wieder durchgeführt werden müssen, ist die Koppe stark zurückgegangen. Sie ist auch gegen Sedimentablagerungen und Verschlammung (Kolmatierung) besonders empfindlich, da sie die Lücken zwischen Kieseln und Hohlräume unter Steinen als Lebensraum benötigt. Abstürze mit geringer Höhe hindern die Koppe am bachaufwärts Wandern. Auch Gewässerverschmutzungen beeinträchtigen die Koppe in ihrem Lebensraum stark und drängen sie zurück. In den Roten Listen Österreichs und Kärntens wird die Koppe hinsichtlich ihrer Gefährdung in der Vorwarnstufe (Gefährdung droht) geführt. In der FFH-Richtlinie steht die Art im Anhang II.


Der natürliche Hauptfeind der Koppe ist die Bachforelle, aber auch für Hechte (Esox lucius), Aale (Anguilla anguilla), Barsche (Perca fluviatilis) und Aitel (Leuciscus cephalus) werden Koppen durch ihre kleine Körpermasse zur leichten Beute. Der Signalkrebs (Pacifastacus lenisculus) gilt als Räuber von Eiern und kleineren Koppen. Auch kommt es vor, dass bestimmte Vögel und Säuger Koppen zu ihrer Beute machen.


Rote Liste Kärnten: Vorwarnstufe

Rote Liste Österreich: Vorwarnstufe

Art der FFH-Richtlinie Anhang II